Inhalt

Von Autokennzeichen bis Hochglanzmagazin – moderne Strategien der Rechtsextremen erkennen

Veröffentlicht am 23.11.2017

Autokennzeichen und Rechtsextremismus - kann es da einen Zusammenhang geben? Es kann, denn bestimmte Nummern- und Buchstabencodes nutzen Rechtsextreme auch auf diesem Weg, um von ihresgleichen erkannt zu werden. Zwei Fachkräfte aus dem Straßenverkehrsamt waren deshalb - zusammen mit einer sehr vielfältigen Teilnehmerschaft aus Politik, Schule, Ehrenamt und Verwaltung - bei dem Workshop, der über rechte Musik, Mode, Markenzeichen und Aktive informierte. Die Fortbildung läutet eine Reihe ein, die in Zusammenhang mit dem Projekt „NRWeltoffen" der Landesregierung initiiert wurde und vom Kommunalen Integrationszentrum Krefeld umgesetzt wird.
„Es gibt keine Pille gegen Rechtsextremismus" stellten die beiden Dozenten Lenard Suermann und Marat Trusov von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rassismus und Rechtsextremismus klar. Strategien seien nicht einfach zu entwickeln, die Zivilgesellschaft könne aber deutliche Zeichen gegen menschenfeindliche Gesinnungen setzen. Dazu gilt es zunächst, Methoden und Kommunikationswege zu kennen, die von rassistischen und rechtsextremen Gruppierungen genutzt werden. Und diese sind teilweise hochmodern, da gibt es etwa regelmäßig auf Youtube gestellte modern aufgemachte Beiträge, Blogs, Hochglanzmagazine im Outfit des „Spiegel" und Printmedien, die es bis in die Zeitschriftenläden geschafft haben. Immer am Rande des Erlaubten, das Erträgliche jedoch schon weit überschreitend. Da werden etwa militärische Feldzüge des zweiten Weltkriegs heroisch „analysiert", Kalender mit SS-Größen mit Konterfei für jeden Monat feilgeboten und vieles mehr.
Auch die Symbolik und Musik spielte eine Rolle beim Workshop. Die Teilnehmenden, die allesamt zuhause schnell den Sender wechseln wenn martialisch „betexteter" Hardrock zu hören ist, mussten jetzt komplette Songstrophen anhören - und konnten wichtige Erkenntnisse sammeln: „Für uns als Lehrer ist es ganz wichtig, mal genau auf die Texte zu hören", so ein Gesellschaftskundelehrer der Uerdinger Gesamtschule. Von „Heimat" im Sinne einer gewissen höherwertigen Abstammung singen auch Gruppen in Balladen-Stil, die selbst beteuern, keinerlei rechtsextreme Tendenzen zu fördern. Auch da gilt es, genauer hinzuschauen. Bei Kleidungslabel und Stickern gibt es ebenso eine Bandbreite an rassistischen und versteckten rechtsextremen Botschaften - diese zu finden und richtig zuzuordnen war ganz schön kniffelig für die Workshop-Teilnehmer.
Das Problemfeld sei keines, das klischeehaft den jungen, kahlgeschorenen und eher schlichten Gemütern zuzuordnen ist, bekräftigte das Dozenten-Duo. Nicht nur Wahlergebnisse zeigten, dass das Phänomen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Das dies alles ein Motivationsschub gegen jegliche „Hände in den Schoß"-Mentalität ist, darin sind sich die Seminarteilnehmenden zum Abschluss des Workshops einig.